„Wo New York liegt, weiß doch jeder.“
„Sicher?“
„Sicher!“
„Und San Francisco?“
„Klar doch!“
„Los Angeles!“
„Natürlich!“
„Chicago?“
„Naja…“
„Na, dann zeig doch mal!“
„Was?“
„Na, Chicago.“
„Wo denn?“
„Na, hier auf der Karte!“
„Das ist aber `ne komische Karte…“
Genau, auf der Karte sind nur die Umrisse der USA zu sehen und ein
paar Flüsse, der Mississippi, zum Beispiel, und der Missouri und der Ohio, aber ohne Namen. Es ist so eine Karte, wie man sie vielleicht noch aus dem Erdkunde – Unterricht kennt, oder von Autoaufklebern – Sylt, Fehmarn und so. Ich hatte zu Hause noch einen ganzen Stapel davon gefunden - hatte mir mein Freund aus den USA mitgebracht – Servietten mit den USA drauf. Ich habe sie einfach als kleines Zusatz-Geschenk auf unsere USA-Party mitgenommen, ohne zu ahnen, was ich damit anrichte.
„Also, wo liegt Chicago?“
„Na, ich würde sagen …hier.“
„Quatsch – viel weiter oben“, mischt sich da Klaus ein, „an diesem See da.“
„Nee, da liegt doch Detroit, da bin ich letztes Jahr gewesen. – Hier“, und Yvonne tippt mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die USA-Umrisskarten-Serviette, „hier ist Chicago.“
„Wenn du da so sicher bist, können wir ja um ein Bier wetten“, schlägt Uwe vor, der nun auch zu uns gekommen ist. „Wo du hinzeigst, ist Milwaukee, da brauen sie das einzig trinkbare Bier in den USA!“
„Die Wette nehme ich an“, lacht Yvonne. „Nicole, habt ihr irgendwo einen Atlas?“
„Natürlich!“
Und schon liegt der Atlas aufgeschlagen auf dem Tisch. Alle beugen sich gleichzeitig unter großem Geschrei über die USA-Karte.
„Ich hab` gewonnen“, ruft Yvonne. „Bier her, Bier her!“
„Nix da“, entgegnet Uwe, „da hast du hingezeigt und da liegt Milwaukee- wie ich gesagt habe!“
„Sei doch nicht so pingelig“, wirft Nicole ein. „Ist doch klar, was Yvonne gemeint hat!“
„Nee, also, so geht das nun auch nicht. Wette ist Wette, und da wollen wir schon genau sein“, greift Klaus ein.
Er nimmt die Serviette und legt sie auf die Atlaskarte.
„Hey, die passt ja genau!“ staunt Nicole. „Und man kann ja die Städte als rote Punkte noch ein bisschen durchscheinen sehen!“
Als wenn er das von vornherein gewusst hätte, fährt Klaus, ohne auf Nicole einzugehen, fort: „So, dann wollen wir mal sehen. – Also Yvonne, wo hast du hingezeigt?“
Yvonne tippt mit dem Zeigefinger auf eine Stelle auf der Serviette.
Uwe spielt den Empörten: „Das stimmt ja nun gar nicht! Da hab ich doch hingezeigt!“
Sofort greifen alle ein und es entsteht ein großes Tohuwabohu: „Yvonne hat Recht!!“ – „Nein, Uwe hat gewonnen!!“ – „Uwe will ja nur sein Bier haben!“ – „Alles viel zu ungenau!“ – „Ungerecht!“ – „Buuh!“ – „Schmuuh!“ – „Schiebung!“
Als sich das Durcheinander schließlich etwas beruhigt, gelingt es Klaus, der sich offensichtlich in der Rolle des Schiedsrichters sieht, wieder zu Wort zu kommen: „Okay. Hört mal her, ich hab eine Idee. Es lässt sich ja wirklich nicht eindeutig entscheiden, wer nun Recht hat. Um zu einer Entscheidung zu kommen, mache wir einen zweiten Durchgang.“
Nach kurzem Hin und Her sind alle einverstanden, auch Yvonne und Uwe.
„Ich habe mir das so gedacht“, beginnt Klaus das Spiel zu erklären. „Nicole, holst du mal bitte zwei verschiedenfarbige Buntstifte, Filzer oder Kulis oder so? – Also Yvonne bekommt einen Stift, Uwe den anderen. Ich nenne dann eine Stadt in den USA, zum Beispiel New York, und jeder von euch beiden zeichnet auf der Serviette an der Stelle ein kleines Kreuzchen ein, an der er glaubt, dass die Stadt liegt. Wer dichter an der wirklichen Lage der Stadt ist, hat gewonnen.“
„Und wie willst du entscheiden, welches Kreuz dichter dran ist, Schlaumeier?“
„Ganz einfach: ich lege die Serviette auf die Atlaskarte, und dann sehen wir ja, wer gewonnen hat, Dösbaddel!“
Und so geschieht es dann. Yvonne bekommt den roten, Uwe den blauen Stift. Dann sagt Klaus gedehnt und gewichtig: „Los Angeles!“
Galant – und vielleicht auch gerissen – lässt Uwe Yvonne den Vortritt. Nachdem sie ihr Kreuzchen an der Westküste gemacht hat, zeichnet auch Uwe seines ein, ein Stückchen weiter oben. Sofort bricht bei allen ein großes Durcheinander und Gelächter aus: „Richtig!“ – „Falsch!“ – „Ein Bier für Uwe!“ – „Frauen und Geografie!“
Ohne auf den Lärm zu achten, nimmt Klaus die Serviette, legt sie sorgfältig auf die Atlaskarte, kontrolliert die Lage der Kreuzchen und ruft: „The winner iiiiis … Yvonne!“
Großes Gejohle, und während Uwe scheinbar zerknirscht Yvonne das wohlverdiente Bier bringt, haben schon Nicole und Klaus zu den Stiften gegriffen und sich Marc ausgesucht, der eine Stadt nennen soll. Der ist aber nur bereit, wenn er als nächster randarf…
Bleibt noch zu sagen, dass die zehn Servietten im Nu weg waren und irgendeiner das Spiel American-Boccia nannte.
Spielanleitung American Boccia
Das braucht Ihr für „American Boccia“:
- Eine Karte der USA, z.B. in einem Weltatlas
- 2 Klarsichtfolien, DIN-A 4, für Overheadprojektoren
- Verschiedenfarbige wasserlösliche Folienstifte
- Je einen Folienstift, schwarz und rot, „permanent“, also nicht wasserlöslich.
- Eine helle, einfarbige Schreibunterlage; es kann auch ein weißes DIN-A4 oder DIN-A3 – Blatt sein.
Bekommt man alles im Schreibwarengeschäft.
So bereitet Ihr das Spiel vor:
1. Eine der Klarsichtfolien auf die USA-Karte legen. Mit Büroklammern sichern, damit sie nicht verrutscht.
2. Mit dem schwarzen Folienstift die Umrisse bzw. Grenzen der USA abpausen. Auch einige (nicht zu viele) Flüsse und die Großen Seen einzeichnen.
3. Diese erste Klarsichtfolie ist die „Spielfolie“, auf der die Spielerinnen und Spieler ihre Kreuze machen.
4. Mit der zweiten Klarsichtfolie – sie wird die „Kontrollfolie“- genauso verfahren wie mit der ersten. Allerdings hier nur die Umrisse und die Städte als rote Punkte einzeichnen.
Hier die Regeln, die ihr auch je nach Laune oder Fantasie abändern könnt:
Ziel des Spiels:
Die geografische Lage einer vom Spielleiter genannten Stadt in den USA möglichst genau auf der „Spielfolie“ einzeichnen.
Spielverlauf:
- Wählt einen Spielleiter bzw. eine Spielleiterin.
- Bildet zwei gleich große Gruppen.
- Jede Gruppe erhält einen wasserlöslichen Folienstift unterschiedlicher Farbe.
- Legt die „Spielfolie“ auf eine helle Unterlage.
- Die Spielleiterin / der Spielleiter nennt eine amerikanische Stadt.
- Je eine Spielerin / ein Spieler jeder Gruppe zeichnet nun an der Stelle auf der Spielfolie ein Kreuz, an der sie / er glaubt, dass die Stadt liegt.
- Die Spielleiterin / der Spielleiter kontrolliert nun, wessen Kreuz dichter an der wirklichen geographischen Lage der Stadt ist.
- Dazu wird die Kontrollfolie auf die Spielfolie gelegt. Wer gewonnen hat, bekommt für seine Gruppe einen Punkt.
- Zwei Punkte gibt es, wenn sich das Kreuz genau an der richtigen Stelle befindet.
- Bevor die nächste Runde beginnt, die genauso abläuft wie die vorherige, werden die beiden Kreuze auf der Spielfolie entfernt.
- Die beiden nächsten aus den beiden Gruppen bekommen die Stifte.
- Die Spielleiterin / der Spielleiter nennt eine weitere amerikanische Stadt.
- Wenn jeder aus beiden Gruppen einmal drangewesen ist, werden die Punkte jeder Gruppe zusammengezählt.
- Gewonnen hat die Gruppe mit den meisten Punkten.
Zum Abschluss noch eine Reihe Von Städten in den USA, die ihr benutzen könnt:
Atlanta
Boston
Buffalo
Chattanooga
Chicago
Dallas
Denver
Detroit
El Paso
Houston
Indianapolis
Kansas City
Los Angeles
Memphis
Miami
Nashville
New Orleans
New York
Philadelphia
Pittsburgh
Salt Lake City
San Diego
San Francisco
Seattle
St. Louis
Washington
u.v.a.
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