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Seit wann werden eigentlich Kindergeburtstage gefeiert?

Kindergeburtstage gehören heutzutage zu den unbestrittenen highlights jeder Familie – wenn auch zugegebenermaßen in unterschiedlicher Intensität,  die Vorbereitungen und Durchführungen betreffend. Für das jeweilige Geburtstagskind bedeutet der Kindergeburtstag den Höhepunkt, der lange ersehnt wurde – für die zu höchster Kreativität geforderten Eltern bedeutet er neben langen Erkundigungen, was sich der Liebling denn für eine Art Feier wünscht, meist ein anspruchsvolles Planungsprogramm sowie ein Fitnesstraining für Nerven und Körper.

Oft aber werden bereits Kindergeburtstage gefeiert, bevor das Kind geboren ist. Diese pränatalen Veranstaltungen wurden aus den USA importiert und heißen „Baby-Shower-Party“. Die werdende Mutter lädt eine Reihe Freundinnen ein und erhält bereits Babykleidung und andere Ausstattungsgegenstände für den erwarteten Erdenbürger. Rechtzeitig veranstaltet, bergen diese Treffen erhebliche Vorteile. Neben etlichen Ratschlägen zu den Themen Geburt, Erziehung, Ernährung usw. erhält man nützliche Angebote: ob man den Kinderwagen der Freundin leihen will, der gerade nicht gebraucht wird, den Maxi-Cosy, den Stubenwagen, das Bettchen,  das Reisebett und was der teuren Nützlichkeiten noch mehr sind.

Auch der erste Geburtstag des Kindes wird meist freudig im Kreis der Freundinnen und Freunde, der Familie und einiger befreundeter Kleinkinder begangen, auch hier mit Kaffee und Kuchen oder Ähnlichem auch an Gesprächen wie bereits bei der „Baby-Shower-Party“ , doch nun schon konkreter, denn das Geburtstagskind weilt ja nun schon in der Mitte und ist nicht selten bald überfordert angesichts der vielen Eindrücke.

Als nächste Stufe im Leben des Kindes folgt der eigentliche Kindergeburtstag, jener, den wir schon seit langer Zeit kennen und an den wir uns meist verklärt als eine Reihe von fröhlichen Feiern und tollen Geschenken erinnern. Morgens wird man mit einem Lied der Familie geweckt, wird dann zum Geburtstagstisch geführt, aus dem schon der Geburtstagskuchen mit den vielen Kerzen und dem Lebenslicht glänzt und viele schöne Geschenke darauf warten, ausgepackt zu werden. (So weit die verklärende Erinnerung, Dass die Geschenke nicht immer wunschgemäß ausfallen und die Familie frühmorgens auch nicht immer in heiterer Gelassenheit schwelgt, wird im Laufe der Jahre verdrängt). In der Schule lassen Klassenkameraden und Lehrer das Geburtstagskind meist hochleben – manchmal gibt es ein kleines Geschenk- aber der richtige Kindergeburtstag folgt dann am Nachmittag meist von halb vier bis sieben oder acht. Doch davon später mehr!

Alles das, was uns am Kindergeburtstag so vertraut ist, ist historisch eine recht neue Entwicklung. Bis ins 19.Jahrhundert hinein war es nicht oder kaum üblich, überhaupt den  Kindergeburtstag zu feiern. Es gibt etwa ab 1805 in einigen Memoiren von damaligen Kindern der höheren Gesellschaftsschichten Hinweise darauf, dass dieser Tag mit einem Kuchen und Verwandtenbesuchen, manchmal sogar durch Besuche von Klassenkameraden gewürdigt wurde. Auch von bescheidenen Geschenken ist die Rede. Allerdings gilt dies nur für die protestantischen Gegenden Deutschlands, in den katholischen wurde der Namenstag gefeiert. Heute  haben sich die Bräuche angenähert, sodass selbst in überwiegend katholischen Gegenden der Geburtstag gefeiert wird, auch wenn der Namenstag nicht ganz vergessen ist. Diese Regelungen finden wir inzwischen in ganz Europa und in vielen Gegenden der Welt. Anders wird das von Anhängern konservativer islamischer Strömungen gehalten, die lediglich den Geburtstag ihres Religionsgründers Mohammed feiern. Jedoch haben auch im Islam Assimilationsbewegungen stattgefunden, sodass in liberaleren Kreisen durchaus Geburtstage gefeiert werden.

Der Ablauf eines typischen Kindergeburtstags war fast 200 Jahre lang ziemlich ähnlich und wurde erst in den letzten 30 Jahren teilweise abgeändert: Man verschickte per Post (oder gab persönlich) schön gestaltete und sorgfältig – möglichst fehlerfrei – geschriebene Einladungskarten. Die Gäste – meist genau so viele wie das Geburtstagskind an Jahren zählte – kamen hübsch festlich gekleidet mit Geschenken und gratulierten artig. Dann folgte das Kuchenessen, das oft mit Spielen wie „Stopp-Essen“ oder „Wer hat den Bonbon gefunden?“ aufgelockert wurde. Dann aber wartete man schon ungeduldig auf die folgende Spiele-Phase, die je nach Alter das Topfschlagen, Sackhüpfen, Eierlaufen oder die Reise nach Jerusalem beinhaltete, für Ältere auch eine Schnitzeljagd oder eine Schatzsuche, alles fand in Haus oder Garten oder in der näheren Umgebung statt. Der Besuch im Schwimmbad,  im Kino, auf der Bowlingbahn, im Hochseilgarten oder gar die Ausstattung durch eine Fastfoodkette, einen Reiter-oder Bauernhof oder eine Bastelparty im Bau-oder Hobbymarkt waren undenkbar. Aber auch heute noch wollen viele Kinder zuhause feiern und noch viele Eltern und Großeltern geben sich unglaublich viel Mühe, es den Kindern schön zu machen. Beliebt bei den Mädchen fast jeden Alters sind die Pyjama-Parties, oft nach einer gruseligen Nachtwanderung. Jungen plädieren eher nur für die Nachwanderung, vielleicht nach einer Motto- oder Themenparty. Ganz toll sind die Ausstattungen, wenn z.B. ein Raum mit der entsprechenden Dekofolie ausgestattet ist und sich die Seeräuber, Piraten oder Ritter so richtig in ihr Kostüm einfühlen können. Auch hier sind immer noch Scharaden oder Mord im Dunkeln beliebt, wobei die Prinzessinnen teilweise lieber auf weniger ruppige Spiele pochen, aber gegen das aus Mexiko stammenden Pinetaschlagen durchweg nichts einzuwenden haben.

Während in den USA der  Kindergeburtstag strikt auf 2 Stunden begrenzt ist und die Kinder dann nach Hause gefahren oder abgeholt werden, ist die zeitliche Ausdehnung im europäischen Raum nicht so streng. Doch atmen viele Eltern auch hier auf, wenn sich die Feier nach etwa 4 Stunden dem Ende nähert und die Gäste mit kleinen Geschenken, die sie sich als Preise bei den Spielen erobert haben, nach Hause gehen. Ein besonders schöner Brauch ist es, wenn die Kinder zum Schluss einen kleinen Guglhupf als Erinnerung erhalten. Mit vier kleinen Backformen und der doppelten Menge an Teig, die man für einen normal großen Guglhupf oder Rührteigkuchen braucht, sind vier, acht oder zwölf kleine Kuchen schnell hergestellt.

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